Wiederbelebung von Feldrainen und Wegrändern für die Artenvielfalt - Vortragsveranstaltung der Naturfördergesellschaft für den Kreis Borken im Kreishaus stößt auf großes Interesse

Rund 100 Interessierte aus Land- und Forstwirtschaft, aus Naturschutz und Heimatpflege sowie von kommunaler Seite sind der Einladung der Naturfördergesellschaft für den Kreis Borken (NFG) gefolgt, sich mit dem Thema Gefährdung der Artenvielfalt auseinanderzusetzen. Unter dem Titel „Wiederbelebung von Feldrainen und Wegrändern – ein Beitrag zur Biodiversität?“ referierte Josef Schäpers, Mitarbeiter des Landesamtes für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz NRW (LANUV), im Großen Sitzungssaal des Borkener Kreishauses.

Martin Hillenbrand, Vorsitzender der NFG, spannte in seiner Begrüßung einen Bogen vom „Internationalen Jahr der Artenvielfalt“ 2010 über die Biodiversitätsstrategie des Landes NRW 2015 und die „Rahmenvereinbarung der Landwirtschaftsverbände und der Landwirtschaftskammer NRW mit dem Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW zur Förderung der Biodiversität in Agrarlandschaften“ bis hin zu den „Runden Tischen zur Biodiversität“, die der Kreis Borken im zweiten Halbjahr 2015 veranstaltet hatte.

Mit einem klaren „Ja“ beantwortete Referent Josef Schäpers die in der Einladung formulierte Frage, ob die Wiederbelebung von Feldrainen und Wegrändern einen Beitrag zur Biodiversität zu leisten vermag. Mit Zahlen, Daten und Fakten untermauerte der Referent seinen Wunsch, mit kleinen und großen Schritten etwas gegen den Artenverlust in NRW zu tun. So sei der Rebhuhnbestand in Deutschland seit 1980 um 94 Prozent geschrumpft, nahezu sämtliche Wiesenvögel in NRW stünden inzwischen auf der roten Liste der gefährdeten Arten. Von der Bevölkerung weitgehend unbemerkt geblieben sei insbesondere auch der Verlust von Insektenarten, der allein im Zeitraum zwischen 1989 und 2013 bei 80 Prozent gelegen habe.

Straßen- und Wegeraine sowie Böschungen seien wertvolle Kleinbiotope – deshalb sollten sie gut geschützt und gepflegt werden. Allerdings sehe es in der Realität oft so aus, dass die Feldraine „an Schwindsucht leiden“, wie der Referent erläuterte. Drei Gründe, warum dies der Fall sei, beschrieb Schäpers: Kommunen und Straßenbauverwaltung mulchten etwa die Ränder und Raine im Sommer oft mehrmals ab und ließen das Mähgut liegen, die Feldraine würden durch den Eintrag von Stickstoff und Pflanzenschutzmitteln beeinträchtigt und schließlich würden einige Landwirte widerrechtlich öffentliches Eigentum nutzen, indem sie weit über die Grenze ackerten.

Der Referent appellierte an die Anwesenden, für Randflächen neben Feldern, die sich im öffentlichen Eigentum befinden, aber auch an anderen Nutzungsgrenzen wie beispielsweise Gewässern, Konzepte zu entwickeln, die gleichermaßen den Belangen des Artenschutzes und den Interessen der Nachbarflächen gerecht würden. Das ermögliche einen möglichst weiträumigen Biotopverbund und werte gleichzeitig das Landschaftsbild auf. Beeindruckendes Beispiel für eine solch gelungene Zusammenarbeit sei der Förderverein Kulturlandschaft Vreden. Ziel der Vredener Vereinsarbeit sei, die kommunalen Wegeränder zu erfassen, sie zu katalogisieren, um sie dann standortabhängig auf ganz unterschiedliche Art und Weise der Natur wieder zur Verfügung zu stellen. So würden Flächen ihrer natürlichen Entwicklung als Brache überlassen werden, für andere Flächen sei ein spezielles Mähkonzept entwickelt worden. Der Verein verfüge inzwischen über einige Erfahrung bei der Neuanlage und Einsaat von Flächen mit gebietseigenem, zertifizierten Wildpflanzen-Saatgut.

In der anschließenden Diskussion tauschten die Anwesenden Informationen und Beobachtungen aus. Abschließend warb Martin Hillenbrand für das Feldstreifenprogramm der Naturfördergesellschaft in Zusammenarbeit mit der Kreisjägerschaft und der Stiftung Kulturlandschaft.

 

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