Serie zur "Europäischen Nachhaltigkeitswoche": - Teil 5: Nachhaltigkeit und Artenschutz - Wie soll meine Umgebung aussehen?

Der Begriff Nachhaltigkeit wurde in den vergangenen Jahren schon fast inflationär verwendet – betrifft das Thema nun wirklich so viele Bereiche oder ist das alles "Marketing"? "Sowohl als auch", meint die Klimaschutzmanagerin des Kreises Borken, Isabel Stasinski. "Die Häufigkeit und Vielfältigkeit der Verwendungsbereiche zeigt tatsächlich, dass es bei der Frage, wie wir die Welt unseren Kindern hinterlassen und ihnen und uns eine langfristige Lebensgrundlage schaffen möchten darauf ankommt, welche Entscheidungen wir im Alltag treffen." Auch das Thema Artenschutz ist da nicht separat zu betrachten und gehört zum nachhaltigen Handeln dazu. So fällt dabei beispielsweise auf, wie der Rückgang der Insekten auch das eigene Leben beeinflussen kann: Mitte des Jahres 2017 warnte das Bundesumweltministerium vor einem fortschreitenden und drastischen Insektensterben in Deutschland: Seit dem Jahr 1982 ist der Insektenbestand – regional unterschiedlich – um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Mit den Insekten schwindet auch die Nahrungsgrundlage für viele Vögel, deren Bestände ähnlich dramatisch zurückgegangen sind. Eine Besserung der Situation ist nicht abzusehen und die Folgen sind gravierend. Zum Beispiel gerät die Nahrungskette – auch für den Menschen – in Gefahr, wenn Blumen und Bäume nicht mehr bestäubt werden. Das bekannteste Beispiel dafür dürfte das Bienensterben sein: Unter allen Bestäubern spielt die Honigbiene die größte ökologische Rolle, da fast 80 Prozent aller Nutz- und Wildpflanzen von ihr bestäubt werden und nur so Früchte ausbilden können. In Deutschland ist die Biene somit nach Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier und stellt einen beträchtlichen Wirtschaftsfaktor dar.

Geht das Bienensterben ungebremst weiter, würde das einen finanziellen Schaden in Milliardenhöhe verursachen. "Womöglich müssten wir dann auf zahlreiche Nahrungsmittel auch ganz verzichten", so Isabel Stasinksi. Dass das kein rein ökologisches Thema ist, zeigt ein Blick nach China: Pflanzen werden teilweise schon händisch von Menschen bestäubt, um überhaupt Früchte ernten zu können. "Die Gründe für den Artenrückgang sind vielfältig und komplex, aber der Verlust geeigneter Lebensräume ist eine Hauptursache. Dabei kann fast jeder etwas dagegen tun und die Artenvielfalt im Garten oder auch auf dem Balkon durch entsprechende Bepflanzung und Gestaltung fördern", erklärt Stasinski und empfiehlt:

- Die erste und einfachste Maßnahme ist, einfach eine "wilde Ecke" stehen zu lassen. Brennnesseln, Gräser oder Klee sind für viele Insektenarten überlebenswichtig.

- Einheimische Pflanzen bevorzugen: Heimische Bäume, Sträucher oder Stauden bieten der hiesigen Tierwelt Nahrung und Unterschlupf.

- Frühblüher sind für viele früh fliegende Insekten überlebensnotwendig – wer beispielsweise Schneeglöckchen, Krokusse oder Narzissen pflanzt, hilft ihnen damit.

- Der Verzicht auf Gifte führt vor allem bei Kleintieren und Wildkräutern zu einem enormen Artenreichtum.

- Erhalt natürlicher Lebensräume: Torffreie Blumenerde und eine geringe Bodenversiegelung sind zu bevorzugen.

Auch Gewerbetreibende haben in ihrem Außenbereich die Möglichkeit, statt Rasenflächen mal Blumenwiesen anzulegen und so einen Beitrag zur Artenvielfalt zu leisten.

Copyright 2014 - Kreis Borken